Schophoven


Über die Herkunft des Namens"Schophoven"streiten sich die Geister: Einmal könnte man es aus dem althochdeutschen "scopf" = Gebäude ohne Wände, Anbau, Scheune, herleiten. Eine andere Möglichkeit führt den Namen auf bedeutende Schafherden zurück, die bis ins 19. Jahrhundert hinein auf den fast 200 Morgen Rurweiden gehalten wurden.

Wie dem auch sei, urkundlich erwähnt wird Schophoven erstmals 1306. Die Entstehung des Dorfes muß wohl in engem Zusammenhang mit Gut Müllenark gesehen werden. Müllenark be- deutet einfach "Stauwehr bei der Mühle". Bereits im 12. Jahrhundert werden die Edelherren von Molenark als Besitzer des Gutes erwähnt, die dem bedeutenden Adel des Rheinlandes ange- hörten. Im Laufe der Jahrhunderte war das Rittergut durch Heiraten, Erbschaften und Schenkungen auf die stattliche Größe von über 600 Morgen angewachsen. Zum Gut gehörten eine am Mühlen- teich gelegene Getreidemühle und ein Brauhaus.

Westlich von Schophoven liegt in der Ruraue Viehöven, der heute mit 2 Höfen kleinste Weiler der Gemeinde lnden. Noch 1801 lebten hier 50 Menschen. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete man die Marienkapelle, die besonders in Notzeiten Ziel von Bittprozessionen aus den umliegenden Dörfern war.

Der Sage nach verdankt Viehöven seine Entstehung den Grafen von Jülich, deren alte Burg auf der gegenüberliegenden Rurseite in Altenburg stand. Die zur Burg gehörenden Viehherden weideten auf den Wiesen diesseits der Rur. Einer der Hirten muß wohl einstmals sehr unter der Einsamkeit gelitten haben, denn wie die Sage erzählt, schickte ihm der Graf eine Frau und ließ einen Hof bauen, eben den Viehhof damit der Hirte es nicht mehr nötig hatte, das Vieh länger unbeaufsichtigt zu lassen, wenn ihm der Sinn nach weiblicher Nähe stand.

Schophoven ist ein echter "Klassiker" unter den Orten der Gemeinde Inden. Das kleinste Dorf in der Kommune hat seine Ursprünge und Besonderheiten über alle Zeiten hinweg gerettet. Ähnlich wie in Frenz wurde dies sicherlich durch die recht abgeschiedene Lage gefördert. Schophoven ist nur über drei Straßen erreichbar: die K 43 von Pier aus, die K 43 von Kirchberg aus oder die Krauthausener Straße, die die Anbindung an die Bundesstraße 56 von Düren nach Jülich darstellt. Die Erschließung in Richtung Jülich ist freilich noch ziemlich jung.

Gut Müllenark und die Müllenarker Mühle im Süden des Ortes und Viehöven im Norden sind zwei ganz markante Punkte in der Geschichte Schophovens. Viehöven, das man heute im "Rechts- knick" der Kreisstraße samt Hinweisschild findet, kann man getrost als eigenen kleinen Ort be- zeichnen. Zum einen zeugt die Entfernung von gut und gerne einem Kilometer die Distanz. Zum anderen bestand das landwirt- schaftliche Anwesen Viehöven einst aus mehreren Gebäuden, darunter sogar eine Gastwirtschaft. Die Schophovener vergaßen freilich die Viehövener nicht. Bei Prozessionen und Schützenfest wurden sie traditionell abgeholt " ein verbindendes Symbol.

Auch Gut Müllenark liefert die heute noch unübersichtlichen Indizien auf die rein landwirtschaftliche Herkunft des Ortes. Ackerbau und Viehzucht bilden noch heute die tragenden Säulen des Ortes. Altbürger erinnern sich an bis zu 30 Höfe vor dem Krieg. Heute sind es noch zehn, davon die meisten als Nebenerwerb.

Nordöstlich umsäumt die Rur das Dorf; während der Schlichbach von Pier kommend kurz vor Schophoven eine regelrechte Kurve macht und später in die Rur fließt. Das war einmal anders. Die "Schlichstraße" deutet darauf hin, dass der Bach früher mitten durch den Ort führte. Und das war nicht unproblematisch. Die Bevölkerung fürchtete ihn als "Seuchenherd"" natürlich zu einer Zeit, in der es keine Kanalisation gab und auch die Hinterlassenschaften vom Viehtrieb "auf die Schnelle" entsorgt wurden. Bei einer Typhus-Epidemie nach dem Zweiten Weltkrieg,  für deren Verbreitung man den Schlichbach verantwortlich machte, ließen einige Schophovener ihr Leben. Nachdem dieser mißliche Zustand beseitigt und auch die Kanalisation im Dienste vollends sauberer Verhältnisse installiert worden war, entwickelte sich das Dorf zu seiner jetzigen Gestalt. Und die kann sich durchaus sehen lassen. Der romantische Dorfplatz an der Kirche bietet im Sommer ein malerisches Bild, die Straße schlängelt sich schmal und unaufdringlich durch den Ort. Das alles vor dem Hintergrund der hohen Pappeln, die links von der Rur stehen.

Gewachsene Bindungen nach Kirchberg gibt es nicht. Bevor die Kreisstraße dorthin verlängert wurde, existierte ein besserer Feldweg. Die Inde mußte auf einem schmalen Steg überquert werden. Die recht weite Entfernung wurde früher natürlich auch gescheut. So war Pier direkter Vorposten und Orientierung der Schophovener, wenngleich das Verhältnis beider Dörfer sich nicht immer ungetrübt präsentierte.

Natürliche Bindungen gibt es erst, seit die Schophovener Schule Ende der 60er Jahre geschlossen werden mußte und der Pierer Pfarrer auch die Schophovener Katholiken betreut.

Für die Geselligkeit nach harter Arbeit auf dem Feld oder in den Fabriken der näheren Umgebung waren von jeher die Vereine zuständig. Die St.-Hubertus-Schützenbruderschaft, die Katholische Frauengemein- schaft, der Kirchenchor St. Cäcilia, das Tambourkorps, die Musikfreunde, die Feuerwehr und die Sport- gemeinschaft von 1919 sorgen im Ort für Abwechslung. Die Karnevals- sitzungen wurden bis vor einigen Jahren von der Katholischen Frauengemeinschaft in eigener Regie auf die Beine gestellt. 1983 erblickte die Karnevalsgesellschaft "Burgjecke" das Licht der Welt. Die Freunde der "fünften Jahreszeit" werden also in Schophoven bestens bedient. Der gewachsene und gute Gemeinschaftssinn im Dorf - unterstützt vom romantischen Flair der Heimat- erde -lassen darauf hoffen, dass die Einwohner auch die im nächsten Jahrtausend bevorstehende Kraftanstrengung bewältigen:

Wenn nämlich die Umsiedlung Piers aktuell wird, stellt Schophoven innerhalb der Gemeinde Inden eine Insel dar.

 
 

 
 
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