Lucherberg

Was der Name "Lucherberg" bedeutet, ist nicht genau zu klären. Möglich ist, dass sich die Silbe "luch" aus dem lateinischen "lucus" = Wald entwickelt hat. Dies scheint logisch, da die Gegend um das Dorf noch im 18. Jahrhundert ausgedehnte Waldbestände hatte.

Bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts lebte die Lucherberger Bevölkerung noch fast aus- schließlich von der Landwirtschaft. Dann aber setzte eine Entwicklung ein, die das Dorf und die in ihm lebenden Menschen bis auf den heutigen Tag geprägt hat. Bereits seit 1413 weiß man vom Kohlen- bergbau am "Torf berg" bei Lucherberg.

1819 aber schnitt man beim Abteufen eines Brunnens ein Braunkohlenlager von außerordentlicher Güte an. Ein Jahr später veranlaßte Carl Freiherr von Goltstein, Herr auf Merödgen, Probebohrungen am Fuße des Lucherberger Berges. Kurz darauf erhielt er die erste Konzession zum Abbau eines Braunkohlenfeldes im Raum Aachen" Düren. Mit der Braunkohle aus der "Goltsteingrube" stellte man jährlich zwischen 100.000 und 150.000 Stück "Klütten" her; die Menschen der umliegenden Dörfer fanden hier die dringend benötigten Arbeitsplätze. Zwischen 1867 und 1896 ruhte die Förder- ung dann allerdings, sie war unwirtschaftlich geworden. Danach wurde die "Gewerkschaft Lucherberg" gegründet und wieder mit der Förderung der Braunkohle begonnen. Neue Tagebaue wurden aufgeschlossen, das Gelände am "Lamersdorfer Wege" (heute Goltsteinstraße) enteignet, um dort Brikettfabrik, Betriebsgebäude und Wohnhäuser zu bauen. Bis 1924 die "BIAG Zukunft" den Betrieb übernahm, waren drei Tagebaue von mehreren hundert Morgen Größe in Betrieb genommen, ein Anschluß zur Bahnstrecke gelegt, ein Schürfbagger im Einsatz und der älteste Tagebau durch Quellwasser zu einem (Sumpf)-see geworden (unter der heutigen Goltsteinkippe). Einhundert Jahre nach Beginn der Brikettherstellung hatte die gesamte Anlage eine Jahreskapazität von 115.000 Tonnen Brikett.

Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Brikettfabrik nahm bald nach Ende des Krieges die Produktion wieder auf. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg so wurden auch jetzt wieder die auf den Bahn- gleisen bereitstehenden Brikettzüge von den Menschen der umliegenden Dörfer als Beschaffungs- quelle für Brennmaterial genutzt.

1960 wurde damit begonnen, die seit Jahrzehnten einer Mondlandschaft gleichende Umgebung des Dorfes endlich zu rekultivieren. Dabei wurde der 1928 stillgelegte Tagebau III, der in der Zwischen- zeit zu einem mit Grundwasser vollgelaufenen See geworden war, endlich bepflanzt und später als Naturschutzgebiet ausgewiesen: der Lucherberger See.

Lucherberg ist schlechthin das Naherholungsgebiet der Gemeinde Inden. Sowohl die Goltstein- kuppe als auch der Lucherberger See laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Kurzum:

In der unmittelbaren Umgebung des Ortes kann man ein paar schöne und erholsame Stunden an der frischen Luft verbringen. Was der außenstehende Betrachter nur erahnen kann: Beim See als auch dem Berg handelt es sich um "künstliche" Gebilde. Beide topographischen Besonderheiten stehen in enger Beziehung zur Industrialisierung, die Lucherberg wie kein zweites Dorf der heutigen Gemeinde Inden veränderte.

Wer in Lucherberg nicht mit der Landwirtschaft sein täglich Brot verdiente, arbeitete "om Klütte- werk", der Brikettfabrik. Das galt übrigens stets auch für viele Menschen der umliegenden Dörfer. Die "BIAG Zukunft" setzte die Tradition der Braunkohlentagebaue fort, die vor dem Krieg dem Ort ihren Stempel aufdrückten.

Den Tagebauen hat Lucherberg auch den See zu verdanken. Regatten beispielsweise zeichnen ein stimmungsvolles Bild: Wenn sich die vielen Segel vor dem rotgefärbten Himmel in der Abendsonne abheben.

Der See diente freilich nicht nur der Naherholung. Zwei Wasserwerke quasi "mittendrin" zeugen von der durchaus praktischen Nutzung als Wasserreservoir des Kraftwerkes Weisweiler.

Die Industrie veränderte das Gesicht Lucherbergs. Das Dorf wurde gleich nach dem Krieg mit Annehmlichkeiten wie Strom, Wasser und Kanalanschluß versorgt. Insgesamt kann und konnte ein überdurchschnittlicher Wohlstand nicht geleugnet werden. Die Ansiedlung von Arbeitern freilich teilte die einst verschworene Dorfgemeinschaft, die Einwohnerzahl von einst 550 Menschen stieg beständig. Entlang der Goltsteinstraße entstanden Mietshäuser, die nicht dauerhaft belegt waren. Dadurch war es nur sehr schwer, Bindungen zum Altort herzustellen. Als Häuser an Bergleute verkauft wurden, stabilisierte sich die Situation allerdings zwischen denen "aus dem Dorf" und "denen von unten". Mittlerweile beheimatet der Ort rund 1200 Menschen " die Zahl hat sich also im Vergleich zu früher mehr als verdoppelt.

In Lucherberg befand sich zudem stets der Sitz einer Verwaltung. Vor der kommunalen Neuglieder- ung war der Ort mit seinem Rathaus naturgemäß Zentrum des gleichnamigen Amtsbezirkes. Danach bezogen Teile der neuen Indener Gemeindeverwaltung das Lucherberger Gebäude. Dem alten Rathaus freilich "verdankt" Lucherberg eine ganz natürliche Konkurrenz zu Pier. Der sehr viel größere Ort unterlag nach dem Kriege bei der Abstimmung über den Verwaltungssitz mit nur einer Stimme Mehrheit. Heute beherbergt das Gebäude neben der Grundschule die gemeindliche Jugendarbeit und den Geschichtsverein, da in Inden/Altdorf ein neues Rathaus errichtet wurde.

Das Vereinsleben in Lucherberg wurde durch den Zweiten Weltkrieg nachhaltig beeinflußt. Im Ort machte sich eine Skepsis gegenüber allen Uniformen breit, wie sich Bewohner noch heute er- innern. Die Wiedergründung der Schützengesellschaft fand so bis heute nicht statt. Selbst nach einer flammenden Predigt von der Kanzel der neuerrichteten Pfarrkirche St. Nikolaus fanden sich zunächst nur drei Freiwillige, die eine Feuerwehr bilden wollten. Die Notwendigkeit dieser Insti- tution wurde indes in den Folgejahren erkannt, so daß die Wehr heute schlagkräftiger denn je ist. Das fehlende Schützenfest wird in Lucherberg durch die Kirmes ersetzt, die im Dorf die FCJugend und die Feuerwehr organisieren. Die Vereinsstruktur mit der Maigesellschaft, dem Carnevals-Club "Lukkebömmelte Lü", dem Kirchenchor, dem Segelverein, den Tischtennisfreunden, dem Vogelzuchtverein, dem Trommler-und Pfeifercorps Blau-Weiß und dem Kirchenchor ist wieder vielfältig.

Den neuen Zusammenhalt trotz einiger struktureller Probleme der Vergangenheit zwischen dem mehr landwirtschaftlich orientierten Oberdorf und der einst nahezu ausschließlichen Arbeiterheimat an der Goltsteinstraße bekundet ein Wort der jüngeren Vergangenheit: das "Dorfgemeinschafts- haus". Viel Eigenleistung erbrachten die Vereine für dieses Gebäude am Sportplatz neben dem Kindergarten, was das Miteinander bezeugt.

In der durch den Braunkohlentagebau veränderten Gemeinde Inden wächst auch Lucherberg in eine neue Rolle. Das Zentrum vom höchsten Punkt und Namengeber "Lucherberg" verlagert sich in Richtung Inde nach Inden/Altdorf. Das Neubaugebiet In den Berger Benden ist zwar faktisch schon ein Teil des Umsiedlungsstandortes, bildet aber in der Praxis den nahtlosen Übergang zum neuen Gemeindekern.
 
 


 
 
Lucherberg