Inden/Altdorf

Die junge Gemeinde Inden bekommt innerhalb von nur 22 Jahren jetzt zum zweiten Mal ein neues Gesicht. Diesmal ist das für die Bürger der Orte Altdorf, Inden und Pier mit dem Verlust der Heimat verbunden.

Seit am 2. Mai 1991 mit dem symbolischen 1. Spatenstich die Erschließung des Umsiedlungs- standortes Inden/Altdorf begann, ist fast die Hälfte der Gemeinde in Bewegung. Und Bewegung ist ein Indiz für Fortschritt.

Rund 70 Prozent der Bevölkerung aus Inden und Altdorf haben sich für den Verbleib in ihrer Heimatgemeinde entschieden. Das zeugt unzweifelhaft davon, daß die Verantwortlichen in Rat und Verwaltung mit dem Angebot am Umsiedlungsstandort richtig lagen. Es ist gleichwohl ein Plä- doyer für die "gemeinsame Umsiedlung". Diese soll die gewachsenen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Verflechtungen der betroffenen Orts- und damit Lebensgemeinschaften möglichst erhalten. Diese Möglichkeit, eine Umsiedlung durchzustehen, hat sich bewährt, auch wenn sie nie in der theoretisch idealen Vollkommenheit durchgeführt werden kann. Die Umsiedlung der Ort- schaften Altdorf und Inden beweist aber, daß eine gemeinsame Umsiedlung nahezu erreicht werden kann.

Wenn auch markante und charakteristische Flächen. Nischen und Ecken in Inden/Altdorf erst vage erkennbar sind, so ist dennoch schon zu erahnen, was da kommt. Mit dem neuen Rathaus und der kleinen Holzbrücke wurde ein Anfang gemacht.

Gewachsene Traditionen und Strukturen sind ein Bestandteil unserer Kultur und werden nicht ohne weiteres zerstört. Sie leben auch und vor allem in den Köpfen. Alles spricht dafür, daß sich die betroffenen Menschen und Familien mit ihrem Schicksal auseinandergesetzt haben und das Beste daraus machen. Das zeugt von Stärke.

Und diese Stärke ist es, die in der Umsiedlung die Chance zur Fortentwicklung für die Gemeinde Inden bietet.

Wohin entwickelt sich die Gemeinde" Wie geht es weiter"

Es ist abzusehen, daß der Gemeinde zeitweilig eine "Zweiteilung" nicht erspart bleibt.

Dörfer räumlich eng zueinander:

Lucherberg, Inden/Altdorf, Frenz und Lamersdorf. Dies bedeutet überschaubare Strukturen, kurze Wege zu allen Versorgungs- und Dienstleitungseinrichtungen und menschliche Nähe. Die Chance für ein harmonisches Miteinander " klein, aber leistungsfähig.

Auf der anderen Seite Pier und Schophoven. Die nach der Jahrtausendwende bevorstehende Umsiedlung von Pier wirft Fragen auf, denen wir uns stellen müssen, die aber allesamt beantwortet werden können. Für alle Einwohner von Pier, die in ihrer Heimatgemeinde bleiben wollen, wird ausreichend Siedlungsraum zur Verfügung stehen. Die bereits im neuen Ort lebenden Umsiedler aus Altdorf und Inden werden den neuen Nachbarn aus Pier das Einleben in die Gemeinschaft nicht schwermachen. Haben sie doch alle das gleiche Schicksal durchgemacht. Auch diese Umsiedlung kann mit gutem Willen so schonend und einfühlsam wie nur möglich gemeinsam durchgestanden werden.

Für Schophoven besteht sicherlich die Gefahr, bei Fortschreiten des Tagebaues räumlich von dem neu entstandenen Zentrum abgetrennt zu werden. Es werden alle Kräfte aufgeboten, die Infrastruktur des Ortes auszubauen und die Verkehrsverbindungen so zu gestalten, daß der Zusammenhalt erhalten bleibt. Hier sind alle gefordert. Die vielfältigen Verbindungen zur Bevölkerung von Schophoven werden während der Zeit des Bergbaugeschehens bestehen bleiben. Schophoven ist und bleibt ein lebens- und liebenswerter Teil unserer Gemeinde.

Der ortsansässige Handel und die Gewerbebetriebe sichern auch in Zukunft durch ihre Leistungsfähigkeit die Versorgung der Bevölkerung und Arbeitsplätze. Die Verantwortlichen lassen nichts unversucht, Handel und Gewerbe zu unterstützen.

Gewerbebetriebe und Bürger profitieren von der verkehrsgünstigen Lage der Gemeinde. Über die nahe Autobahn sind die Städte Aachen, Köln, Bonn und Düsseldorf in kurzer Zeit erreichbar; die Nachbarstädte Düren, Jülich und Eschweiler liegen fast in Sichtweite.

Wir sind stolz auf die Vielfalt unserer Traditionen mit ihren alten Wurzeln und all ihren Eigenheiten. Deren Erhalt zu sichern ist ein wichtiges Anliegen in der nun anstehenden Umgestaltung. Den Vereinen als tragenden Elementen des gesellschaftlichen dörflichen Lebens kommen bei diesem Prozeß wichtige Gestaltungsfunktionen zu. Sicherlich stehen die Vereine heute allesamt vor großen Problemen in Bezug auf Nachwuchs und finanzielle Ausstattung. Doch bietet gerade die gesellschaftliche Umschichtung, die jetzt im Gange ist, eine Chance zum Strukturwandel und damit zum dauerhaften Überleben.

Naturgebiete wie der Lucherberger See, die Goltsteinkippe, der Pierer Wald, die Inde- und Rurniederungen, aber auch die nahe Eifel bieten Erholung direkt vor der Haustür. Natur- und Umweltschutz haben in der Gemeinde Inden eine große Bedeutung. Gerade wegen des Tagebaues und der Nähe des Kraftwerkes, aber auch der dichten Bebauung wegen ist es wichtig, ja lebensnotwendig, selbst die kleinste Fläche natürlich zu gestalten bzw. zu erhalten.

Kindergärten, Grundschulen, Hauptschule, Sportanlagen und Jugendheime sind in ausreichender Zahl vorhanden. Für die nachkommende Generation stehen - wenn auch in bescheidenem Um- fange - Wohnbauflächen zur Verfügung. Unsere Kinder und Jugendlichen haben Perspektiven in Inden und können mit guten Aussichten in das nächste Jahrtausend gehen.

Die Gemeinde Inden wird ihren Bürgern Lebensqualität und Attraktivität bieten und den älteren Mitbürgern einen Lebensabend in Ruhe versichern. Unsere Zukunft aber, das sind unsere Kinder. Für sie wollen wir eine erlebenswerte Umwelt und Gemeinschaft erhalten.
 
 

 
 
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