Frenz

Römer, Sunucer, Franken " von all diesen Völkerschaften fanden sich in und um Frenz steinerne Spuren ihrer Anwesenheit. Urkundlich erwähnt wird Frenz erstmals 1104, als Hartper von Fraegenzo mit dem Kölner Erzbischof zu tun bekommt. Die Rolle, die die Burgherren von Frenz, zugleich auch Herren von Stolberg, bis ins 14. Jahrhundert in der rheinischen Geschichte gespielt haben, gehört zu den interessantesten Abschnitten in der Vergangenheit der Stadt Köln und des Rheinlandes überhaupt. Seit dem 14. Jahrhundert war das Dorf im Besitz der Herren von Merode und ihrer Seitenlinien. Es war kein relativ unbedeutender Landadelssitz wie etwa Lützeler, Merödgen, Pesch und Verken, sondern eine Unterherrschaft des Herzogtums Jülich, also ein eigenständiges Territorium. Die Herrschaft bestand aus der Burg, dem umzäunten, teils ummauerten Dorf Frenz, dem Patronatsrecht der Kapelle, der Zwangsmühle, dem Fronhof dem Brauhaus, einigen großen Manngütern und einem Landbesitz von über 400 Morgen. Hinzu kamen noch Fischereirechte in der Inde, Waldnutzungsrechte in der Wehrmeisterei sowie die Hoch- und Niedergerichtsbarkeit.

Die Burg stand etwa und auf dem Gelände zwischen dem heutigen Pfarrhaus und der alten Schule. Bis 1905 stand die alte Kapelle auf dem Vorplatz der 1904 erbauten heutigen Kirche.

Der Geistliche der Kapelle übte die Seelsorge nur über die Familien der Burg und der genannten Häuser aus; und nur diese hatten ihre Begräbnisstätte in und neben der Kapelle. Alle anderen Einwohner von Frenz wurden in Lamersdorf beerdigt, zu dessen Pfarrbezirk der Ort bis 1863 gehörte.

Die Burg selbst war eine ummauerte feste Hofanlage, die vielleicht schon im 14. Jahrhundert zerstört wurde. Nachfolgerin dieser Burg wurde die "Frenzer Burg" eine Wasserschloßanlage des 16./17. Jahrhunderts, südöstlich des Dorfes. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde die imposante Anlage in den 1950er Jahren geschleift. Die Rheinischen Braunkohlewerke AG siedelten hier drei Landwirte aus Lohn an, als ihr Heimatort abgebaggert wurde.

Die Frenzer Landwirte teilen das gleiche Schicksal wie ihre Lamersdorfer Kollegen: Ein Großteil ihrer Ländereien fiel der Errichtung des Kraftwerkes Weisweiler und dem Braun- kohlentagebau zum Opfer.

Charakteristisch für das ländlich geprägte Frenz war noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts die große Anzahl jüdischer Einwohner, die einmal 10% der Bevölkerung ausmachten. Sie hatten im Schutze der Herren von Frenz eine eigene Gemeinde aufbauen können mit Bethaus und Friedhof. Heute erinnert nur noch eine kleine Gedenkstätte an der Stelle des vernichteten Friedhofes an die Frenzer Juden.

Das Kraftwerk Weisweiler ist klar und deutlich zu erkennen. Die K 34 schlängelt sich vorbei an Feldern, der Blick erheischt auch ein Stück Autobahn. Auf einmal ist man in Frenz. Irgendwie. Ortsunkundige, die sich von Langerwehe aus der A 4 nähern wollen und den rechten Weg nicht kennen, müssen sich so fühlen. Dass schon die Römer dieses Fleckchen Erde liebgewonnen hatten, kann man dem Ort auf den ersten Blick nicht ansehen. Die Frenzer freilich wissen ihren Ort bestens zu schätzen.

Die Einwohner des Dorfes in sehr behüteter Lage wußten mit der vermeintlichen Abgeschieden- heit allerhand anzufangen. In Frenz hat man durchaus seine Ruhe, kann sich voll und ganz auf sich selbst und die Nachbarn konzentrieren. Gestört wird man heutzutage lediglich von unsäg- lichen Autofahrern, die über den "Schleichweg Frenz" das Nadelöhr Weisweiler umfahren.

Es versteht sich von selbst, daß ein solches Gemeingefüge wie Frenz ganz stark auf den inneren Zusammenhalt setzt. Die Einwohner präsentieren sich bei allem Individualismus als bodenständig, traditionsbewußt, bescheiden und sensibel. Für Zugereiste oder Neuankömmlinge wiederum ist es mühsam, den Zugang zu dieser Gemeinschaft zu finden. Hat man aber in Frenz Freunde gewonnen, dann fürs Leben. Die Herren der Frenzer Burg mit ihrem üppigen Grund- besitz, der landwirtschaftlich genutzt wurde, prägten das Dorf. Damals war der Ort stark von einem Feudalsystem bestimmt, das natürlich heute keine Rolle mehr spielt. Die Platten mit dem Wappen der Burg sind übrigens heute noch in der Alten Schule zu sehen.

Frenz teilt sich in drei Bereiche: das Oberdorf das Unterdorf und den Driesch. Während "oben" und "unten" im Laufe der Jahre zu einer Einheit verschmolzen, waren die Bewohner des Driesches schon auf ihre Eigenständigkeit bedacht und fühlten sich eher als Ortsteil von Frenz.

Die Nähe zu Eschweiler und Langerwehe hatte Auswirkungen auf das Bild des Ortes. Während vor noch 25 Jahren einige Geschäfte, Metzger und Bäcker die Bürger versorgten, ist diese Nahversorgung verschwunden. Das gilt auch für den Bahnhof, der den Anschluß in Richtung Eschweiler, Stolberg und Aachen sicherstellte. Ein Merkmal hat Frenz nicht verloren: Sowohl im alten Verwaltungsbereich Lucherberg (Altkreis Düren) als auch jetzt in der Gemeinde Inden liegt das Dorf am Rand. Das hat zwar auch einige Vorzüge, auf der anderen Seite fühlten sich die Frenzer auch stets ein wenig vernachlässigt. Weil man sich aber durchaus deutlich artikulieren kann, blieben Mißstände selten gänzlich unentdeckt.

Eine Zahl hat in Frenz über Jahrhunderte Beständigkeit: die Anzahl der Einwohner. Alte Doku- mente belegen, dass schon 1550 um die 700 Menschen den Ort bevölkerten. Heute sind es nur unwesentlich mehr.

Die katholische Pfarrkirche und die zahlreichen Vereine waren und sind für die Frenzer liebge- wonnene Anlaufstationen. Kreativität und Traditionspflege - das paßte stets zusammen. Diese Eigenschaften dominierten die Vereinigungen des Dorfes, von denen heute elf sehr rege sind - das Deutsche Rote Kreuz nicht mitgezählt. Die Inde ist in der ganzen Gemeinde allgegenwärtig, nimmt in Frenz aber eine Besonderheit ein. Sie trennt die Siedlung Frenzer Driesch vom Ort optisch ab. Dass es sich um keine wirkliche Grenze handelte, bewiesen die Stunden der Not: Als die Inde noch nicht reguliert war und die Sturmglocken einen reißenden Fluß bezeugten, packten alle Frenzer mit an, um den Driesch vor der Überflutung zu schützen. Das wurde auch bei Festlichkeiten offenkundig: Wenn die "Driescher" fehlten, "war das auch nichts", erzählen alte Frenzer. Durch das nahe Umsiedlungsgebiet Inden/Altdorf ist die Abgeschiedenheit des Dorfes Vergangenheit. Bei aller Sensibilität und anfänglichen Vorsicht darf man aber wohl davon ausgehen, daß die Frenzer mit dieser neuen Rolle fertig werden und sie zu nutzen wissen.

 
 

 
 
Denkmal
 
 





 
 
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